Ein Blick in meinen Mentaltraineralltag

Manchmal sitze ich einer Mama gegenüber und denke: Das hier ist so viel mehr als nur ein Gespräch über das Kind.

Heute war so ein Tag.

Der Sohn empfindet die Schule gerade als „zu viel“. Er schläft schlecht ein, hat das Gefühl, sich nichts merken zu können, braucht viel Zuspruch und Bestätigung – und kann einfach nicht loslassen. Nicht die Gedanken. Nicht die Sorgen. Nicht die Mama.

Die Mama ist am Limit. Sie trägt für alles und jeden die Verantwortung, kann kaum um Hilfe bitten, fühlt sich innerlich leer. Ohne es zu wollen, erwartet sie gute Leistung vom Kind – und versteht gleichzeitig nicht, warum es sich so schwer tut. Es geht ihr gar nicht mal so sehr um die Noten, eher um seine Sicherheit. Auch sie kann nicht loslassen. Das Kind, die Sorgen, die Verantwortung. Unbewusst überträgt sie ihre eigenen Kindheitserfahrungen und -wunden auf ihren Sohn.

Und dann gibt es da noch das Mädchen, das sie einmal war.

Dieses Kind hat früh gelernt: Geliebt wird, wer funktioniert. Wer brav ist. Wer genug leistet. Also suchte es sich verständlicherweise Situationen, in denen es glänzen konnte – manchmal bis zur Überforderung. Und es bekam, was es sich wünschte: Aufmerksamkeit, Anerkennung, das Gefühl, dazuzugehören.

Heute ist ihr das nicht mehr bewusst. Aber unbewusst setzt sie genau dieses Muster fort – und ihr Sohn spürt den Druck, ohne zu verstehen, woher er kommt.

Was steckt tief dahinter? Der alte Zweifel der Mama, ob sie gut genug ist. Das seltsame Gefühl, ob sie ihren Platz in der Welt wirklich verdient. Das Schuldgefühl, wenn andere nicht erfolgreich sind – vor allem ihr Kind. Die Angst, nicht gebraucht zu werden. Das Nicht-loslassen-Können. Das Nicht-vertrauen-Können.

Also reißt sie die Verantwortung an sich. Hat den inneren Drang, für alles zuständig zu sein – Schulnoten, Freundschaften, das Wohlbefinden ihres Kindes. Sie übt diese Kontrolle aus, weil sie ihr Kind in Sicherheit wissen will. Weil sie tief in sich gespeichert hat: Wenn die Leistung stimmt, dann bin ich etwas wert. Dann darf ich sein. Das gab ihr damals Sicherheit und dieses Muster setzt sie fort, überträgt es auf ihren Sohn, ohne es zu wollen.

Das ist so menschlich. So nachvollziehbar.

Wir sagen dazu: „Normale“ Erfahrungen – „normales“ Verhalten. Und trotzdem zeigen sich heute die tiefen Auswirkungen – beim Sohn, bei der Mama, in der ganzen Energie zuhause.

Was mich berührt: Beide suchen dasselbe. Mutter und Sohn sehnen sich nach Vertrauen, nach Leichtigkeit, nach innerer Sicherheit.

Und hier liegt das Schöne – und das Kraftvolle: Wenn Mama es findet, findet es auch der Sohn. Weil er automatisch wiederholt, was sie lebt.

Wenn ihre alten Erlebnisse nicht mehr als Wahrheit über ihr schweben, sondern als das, was sie wirklich sind – nämlich Erfahrungen. Erfahrungen, die sie zwar geprägt, aber heute nicht mehr definieren müssen – dann verändert sich etwas. Nicht nur in ihr. Auch in ihm.

Das ist die Arbeit, die ich mit Mamas mache. Von innen heraus. Mit Herz, Klarheit und ohne Schuldzuweisungen.

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